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Die Zukunft des Lernens

Man lernt nie aus – was als Credo für die persönliche Weiterentwicklung gilt, ist für Unternehmen genauso wahr. Doch wird das zunehmend schwieriger: Immer mehr Wissen muss in immer kürzerer Zeit in sich wandelnden Organisationen gesammelt und gesichert werden. Eine Aufgabe, der viele Unternehmen alleine nicht Herr werden können. Vor diesem Hintergrund hat innogy Consulting das LRN LAB als innovatives Lernlabor für Unternehmen gegründet.

Auch ich stelle im Rahmen meiner Arbeit bei innogy Consulting immer wieder fest, dass das veränderte Lernen in der digitalen Welt eine zentrale Herausforderung darstellt. Aber warum ist Lernen für Unternehmen überhaupt so wichtig? Und wie verändert sich das Lernen in Zukunft? Um mehr zu erfahren, habe ich mich mit unserem LRN LAB-Experten Dr. Philipp Philippen getroffen. Er ist seit über zehn Jahren Experte für die Themen Lernen und Systemische Entwicklung von Personen und Organisationen und teilt sein Wissen als Coach, Dozent, Berater und Learn Content Designer.


Interview:

Isabelle Roggenkamp: Warum ist Lernen gerade heute einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Unternehmens?

Dr. Philipp Philippen: Weil sich die Anforderungen an die Organisationen und die Menschen in ihnen heutzutage schneller denn je ändern. Zum einen arbeiten wir immer mehr projektbezogen und müssen uns daher häufiger auf neue Anforderungen – sei es technologisch oder kulturell – einstellen. Zum anderen verändern sich auch die Berufsbilder und Rollen in den klassischen Linienfunktionen: Automatisierung ersetzt einige Tätigkeiten und Innovationsdruck und Komplexität erfordern fachübergreifendes Wissen und Kompetenzen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Isabelle Roggenkamp: Wie verändert sich das Lernen in Organisationen in der Zukunft und was bedeutet das für die Unternehmen?

Dr. Philipp Philippen: Das Lernen wird immer mehr zu einer Konstanten, die kontinuierlich und prozessual in den Arbeitsalltag integriert werden muss. Lernen und Arbeiten wachsen so zusammen. Wissen hat heutzutage per se eine sehr geringe Halbwertszeit und ist quasi überall und kostenlos verfügbar. Daher ist die Fähigkeit zu selbstorganisiertem Lernen als Methodenkompetenz entscheidend. Enablement und Selbstbestimmung der Mitarbeiter sind die neue Prämisse.

Das heißt für Unternehmen: Sie müssen die Lernprozesse an die persönlichen Bedürfnisse sowie Lerngewohnheiten der Mitarbeiter anpassen und Lerninhalte on-demand und on-the-spot zur Verfügung stellen. Weiterbildungskonzepte wie klassische Class-room Trainings werden damit immer obsoleter, weil sie durch Bedarfsanalyse, Planung und Einkauf zu langsam sind. Der Fokus liegt in der Zukunft auf der Annahme von Herausforderungen in der Praxis, unterstützt durch Coaching aus der Organisation heraus.

Isabelle Roggenkamp: Wie kann das LRN LAB dazu beitragen, das Lernen in Organisationen zu verbessern?

Dr. Philipp Philippen: Das LRN LAB wurde vor ungefähr zwei Jahren gegründet, um die umfangreichen Erfahrungen aus der kulturellen und digitalen Transformation der innogy SE auch auf dem externen Markt zur Verfügung zu stellen. Wir glauben an die Prinzipien des open shops und sharing is caring: Wir möchten unser Wissen teilen und gleichzeitig dazulernen.

Mit dem LRN LAB bieten wir einen gedanklichen Raum, um den immer multidisziplinärer werdenden Herausforderungen, die sich nur mit fach- und organisationsübergreifenden Ansätzen lösen lassen, zu begegnen. Dabei verbinden wir die Perspektive eines Start-ups mit der eines Konzerns und vereinen psychologisches, systemisches, technologisches und wirtschaftliches Wissen.

So entwickeln wir Lernlösungen, die den Anforderungen an das Lernen der Zukunft entsprechen – sei es auf organisationskultureller, operativer oder inhaltlicher Ebene. Dabei setzen wir auf ein situatives und co-kreatives Vorgehen, um bedarfsgerechte Lösungen mit unseren Kunden und Partnern gemeinsam zu entwickeln.  

Isabelle Roggenkamp: Welche Probleme löst ihr?

Dr. Philipp Philippen: Im Consulting-Bereich widmen wir uns für unsere Kunden der Frage nach der Zukunftsfähigkeit einer Organisation: Welche Voraussetzungen müssen wir schaffen, damit die Organisation auch in Zukunft erfolgreich ist? Das hat gerade im Kontext der agilen oder digitalen Transformation viel mit der Haltung der Menschen sowie der Kultur der Organisation zu tun. Aus unserer systemischen Sicht wissen wir auch, dass dies häufig nicht ohne Veränderung der Prozesse und Strukturen gelingt. Darum arbeiten wir auch am Organisationsdesign oder strategischen Konzepten unserer Kunden mit.

Im Academy & Learning Bereich liegt unser Schwerpunkt besonders auf dem Thema Lernen der Zukunft. Denn die Notwendigkeit für Organisationen, agiler und innovativer zu werden, wird noch zunehmen. Um diesen Änderungen gewachsen zu sein, braucht es neben der Prozess- und Methodenkompetenz auch eine Lernkompetenz der Menschen in den Organisationen und der Organisationen selbst. Unser Ziel ist es, diese Kompetenzen zu vermitteln und durch innovative Lernlösungen die Organisationen und Menschen zukunftssicher zu machen.

Isabelle Roggenkamp: Wofür steht ihr und was macht euch besonders?

Dr. Philipp Philippen: Das Besondere an unserem Vorgehen ist, dass wir ein Team mit sehr diversen Fachkompetenzen und Erfahrungshintergründen sind. Dadurch ist es uns möglich, die spezifischen Herausforderungen der Organisationen aus allen relevanten Perspektiven zu analysieren. Und: Wir haben die entsprechenden Lösungskompetenzen ebenfalls im Haus – sei es in unserem LRN LAB-Team oder im erweiterten Team der innogy Consulting. Das heißt, wir können unseren Kunden bei der Lösungsidentifizierung, -entwicklung, -testung und -implementierung unterstützen – und das sowohl bei technischen, prozessualen, inhaltlichen und kulturellen Lösungsansätzen.

Isabelle Roggenkamp: Woran scheitert Lernen in Organisationen heute noch häufig?

Dr. Philipp Philippen: Die Gründe dafür sind vielfältig. Allem voran steht Zeitmangel verbunden mit der Priorisierung des Daily Business gegenüber dem Lernen. Es wird oft aus den Augen verloren, dass Lernen ein langfristiges Investment ist. Die Folge: Lernen wird meist nicht prozessual in die Unternehmensabläufe integriert.

Ein weiterer Grund ist personeller Natur: Lernen wird teils als zusätzliche Belastung empfunden und mit Scheitern in Verbindung gebracht. Zudem wird der Lernaufwand in der Regel durch Organisationen nicht oder nur kaum belohnt. Ein weiteres Manko sind oft die bereitgestellten Tools: Sie stellen das Benutzererlebnis nicht in den Fokus, sind unverständlich, unpraktisch oder schlichtweg nicht verfügbar. Oft ist auch das Angebot an Fortbildungsmaßnahmen zu groß und die Mitarbeiter sind erschlagen von der Vielfalt und wissen nicht, wofür sie sich entscheiden sollen.

Isabelle Roggenkamp: Wie können Organisationen durch innovative Lernlösungen zukunftssicher werden?

Dr. Philipp Philippen: In erster Linie ist es wichtig, den äußeren Rahmen für stetiges Lernen zu schaffen. Dafür muss Lernen in die Praxis eingebettet werden. Die Angebote müssen intuitiv und einfach zu handhaben sein und Coaches oder Führungskräften bereitstehen, die bei Bedarf unterstützen. Ganz entscheidend ist außerdem die Einbettung in den sozialen Raum. Dafür helfen etwa regelmäßige Reflexionen des Lernprozesses mit Kollegen und Experten.

Isabelle Roggenkamp: An welchen Lösungen arbeitet ihr aktuell?

Dr. Philipp Philippen: Bestehende Lösungen wie klassische Learning Management Systeme (LMS), Company Lernplattformen greifen oft zu kurz, treffen die zukünftigen Anforderungen nicht oder stecken noch in den Kinderschuhen. Organisatorische Regelungen wie spezielle Zeitpuffer im Arbeitsalltag für das Lernen oder Reflexionssessions werden zumeist schlecht gelebt.

Wir arbeiten daher vor allem an Lösungen, die das Thema Lernen umfassender und auf verschiedenen Ebenen angehen. So haben wir etwa einen Company Learning Accelerator entwickelt, der in 100 Tagen eine neue Company Learning-Kultur etabliert oder eine Art Netflix für den Bereich Lernen in Form einer modularen, customisierbaren, interaktiven, on-demand Lernplattform. Ein weiterer Punkt auf unserer Agenda sind VR-basierte Trainings und Workshops, die eine Second Life-Lernumgebung schaffen sowie eine spezielle Digital Leadership Transformation Journey.

Vielen Dank für dieses bereicherende Interview und die tiefen Einblicke in die Arbeit des LRN LABs.

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Ein Artikel von

Isabelle Roggenkamp Senior Consultant Change Practice
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